Ghetto

 

 

Das Wort Ghetto stammt aus dem Italienischen (getto = Guss) und leitet sich vom venezianischen Gettore ab, der volkstümlichen Bezeichnung des Stadtteils Cannaregio, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft eine Gießerei lag. Die Regierung der Republik Venedig beschloss im Jahr 1516, die jüdische Bevölkerung dort zusammenzufassen.

Das Wort hat sich zur Bezeichnung der separierten Wohnviertel, in denen die jüdische Stadtbevölkerung gezwungen wurde zu leben, durchgesetzt. Tatsächlich waren Ghettos jedoch schon viel früher entstanden. Das erste urkundlich belegte jüdische Ghetto im Heiligen Römischen Reich errichtete im 12. Jahrhundert der Bischof von Speyer.

Ab dem 13. Jahrhundert forderte die Kirche zunehmend die räumliche Trennung der jüdischen von der christlichen Bevölkerung. Der Zwangscharakter dieser Stadtviertel nahm zu. Die Ghettos wurden durch Mauern und durch von außen abschließbare Tore von den anderen Stadtvierteln getrennt. Die Lebensbedingungen verschlechterten sich zunehmend, und die Ghettos wurden Ziele für Überfälle und Plünderungen. Erst nach der Französischen Revolution und im Zuge der Liberalisierungen des 19. Jahrhunderts wurden sie nach und nach aufgelöst — als letztes erst 1870 das römische Ghetto.

(vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto

Bereits vor dem Überfall auf Polen führten die Nationalsozialisten die systematische Konzentration und Isolation in vielen Städten des Deutschen Reiches wieder ein. Sie errichteten dazu entweder besondere Sammellager oder – durch die Abteilung von Straßenzügen – Ghettos, in denen Sinti und Roma isoliert von der übrigen Bevölkerung und unter Bewachung leben mussten. Die größten und bekanntesten Ghettos waren in Berlin (Marzahn), Frankfurt, Stettin, Königsberg, Düsseldorf, Ravensburg, Gelsenkirchen, Schneidemühl und Salzburg (Maxglan).

 

Im besetzten Polen errichteten die deutschen Besatzer in allen Städten Ghettos zur  Isolation der jüdischen und der Roma-Bevölkerung, soweit nicht Einsatzgruppen oder SS die dortigen Einwohner gleich ermordeten, ebenso im Zuge der weiteren Besatzung der Länder Ost- und Südosteuropas.

In Warschau, Lodz und Lemberg, wo die nationalsozialistischen Besatzer die größten jüdischen Ghettos errichtet hatten, befanden sich auch die größten Ghettos für Roma. Dorthin verbrachten sie nicht nur einheimische Roma, sondern auch Sinti und Roma, die zuvor schon mit den Deportationen von Mai 1940 aus dem Deutschen Reich in andere Lager deportiert worden waren oder die im Zuge späterer Verschleppungen abtransportiert wurden.

 

Auf Grund der katastrophalen Lebensbedingungen, der Unterernährung und der immer wieder ausbrechenden Seuchen war die Sterblichkeitsrate sehr hoch. Zudem führte die SS Massenerschießungen durch. So wurden im November 1941 5.000 Sinti und Roma nach Lodz deportiert, überwiegend aus Österreich. Bis Januar 1942 dezimierten Seuchen und tägliche Mordaktionen die Zahl der Menschen. Dann wurden letzten Überlebenden nach Chelmno verbracht und dort in Gaswagen ermordet.