Der Landesverband Deutscher Sinti und Roma Nordrhein-Westfalen hat seinen Ursprung in der Bürgerrechtsbewegung der deutschen Sinti und Roma. Diese entstand in den 1970er Jahren und hat sich seitdem konsequent gegen Ausgrenzung und Ungleichbehandlung der Minderheit eingesetzt. 

Im Jahr 1982 wurde der Landesverband NRW auf Initiative von Hugo Franz (1913-2001) gegründet, der Überlebender der nationalsozialistischen Verfolgung war. Er hatte vor allem den Prozess der Verständigung nach dem Holocaust maßgeblich vorangebracht. Seit 2001 ist Roman Franz 1. Vorsitzender des Landesverbands und Geschäftsführer der Beratungsstelle für Sinti und Roma in Nordrhein-Westfalen (Düsseldorf). 

Gemeinsam mit anderen Landesverbänden ist der Verband Deutscher Sinti und Roma NRW im Dachverband des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma sowie im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg zusammengeschlossen. 

Die Anliegen und Interessen der Minderheit der deutschen Sinti und Roma sind Schwerpunkt der Tätigkeit des Landesverbands. Mit schätzungsweise rund 35.000 Personen ist diese alteingesessene  deutsche Minderheit die größte Gruppe in Nordrhein-Westfalen. Er bietet sich jedoch darüber hinaus allen in Nordrhein-Westfalen lebenden Sinti- und Roma-Gemeinschaften als Ansprechpartner in Fragen des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens an. So unterstützt er beispielsweise auch zugewanderte Roma (ca. 25.000 in NRW) in ihren Bemühungen um Aufenthaltserlaubnis und Integration. Zugleich ist er Dialogpartner für Behörden und Organisationen. 

Durch die vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration (MGFFI) NRW geförderte Beratungsstelle in Düsseldorf haben Sinti und Roma in Nordrhein-Westfalen eine feste Anlaufstelle, die sie in ihren Anliegen und Rechten berät und vertritt und die zwischen Minderheit und Mehrheit beziehungsweise deren Institutionen und Einrichtungen vermittelt. 

Die Ratifizierung des Europäischen Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten (1997) und der Europäischen Charta für Regional- und Minderheitensprachen (1998) waren Meilensteine der Bürgerrechtsbewegung. Diese Abkommen sind Grundlagen und Maßstab für die Arbeit des Landesverbands. Mit ihnen erhielt die historische Tatsache, dass die deutschen Sinti und Roma in Deutschland eine seit 600 Jahren beheimatete, nationale Minderheit sind, die rechtsverbindliche Anerkennung. 

Minderheitenschutz ist keine Sache des „Wohlwollens“ von Gesellschaft und Institutionen, sondern ein Rechtsanspruch. Es ist allerdings nicht zu übersehen, dass sich oft noch Gräben zwischen Anspruch und Wirklichkeit befinden. 

So ist die traumatische Erfahrung des rassistischen Völkermords unter dem Nationalsozialismus bis heute nicht überwunden. Die Geschehnisse sind im Zusammenleben von Minderheit und Mehrheit immer noch nicht genügend aufgearbeitet, auch wenn es vielerorts Ansätze dafür gibt, beispielsweise in den Gedenkstätten in Nordrhein-Westfalen und an den Orten, an denen Mahnmale oder Gedenktafeln an das Geschehene erinnern. 

Anlass zur Sorge bereitet der zunehmend über das Internet verbreitete Hass gegenüber Sinti und Roma, aber auch die „alltäglichen“ kleineren und größeren Schikanen, denen einzelne Angehörige der Minderheit begegnen und nicht zuletzt die immer wieder aufflammende Feindschaft in den Medien. 

Hiergegen setzt der Landesverband auf Aufklärung – ohne „Belehrung“ – und Zusammenarbeit.Durch die Arbeit des Landesverbands und seiner  Beratungsstelle hat sich das sozialpolitische Klima in Nordrhein-Westfalen positiv verändert. Zu vielen Institutionen konnten partnerschaftliche Beziehungen aufgebaut werden, die langfristig zu einem besseren Wissen um die Geschichte und um die Belange der Minderheit führen. Die früher durchweg ablehnende Haltung konnte in vielen Bereichen gewendet werden.

Die zunehmende Vernetzung mit anderen Organisationen, die antirassistisch und bürgerrechtlich arbeiten, ist Vorbild für die „Normalität“, die der Landesverband letztlich für die Angehörigen der Minderheit (und Mehrheit) in Nordrhein-Westfalen anstrebt.